Spannungskopfschmerz: Die häufigste Kopfschmerzart


Junge Frau mit Spannungskopfschmerz hält sich den Nacken

Wenn jemand über Kopfschmerzen klagt, leidet er möglicherweise unter Spannungskopfschmerzen (englisch: Tension Type Headache, TTH). Denn dies ist die verbreitetste Kopfschmerzart, sie betrifft 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung.1 Patienten beschreiben den Schmerz als drückend, dumpf oder pochend, zudem tritt er beidseitig auf. Die Schmerzstärke ist meist leicht bis mittelschwer, sodass Alltagsaufgaben trotzdem bewältigt werden können. Eine Abgrenzung zur Migräne fällt nicht immer leicht, da sich einige Symptome der beiden Kopfschmerzarten überschneiden. Für die Behandlung von Spannungskopfschmerz stehen sowohl Schmerzmittel als auch Entspannungstechniken zur Verfügung.

Was sind Spannungskopfschmerzen?

Folgende Punkte zeichnen den Kopfschmerz vom Spannungstyp aus:

  • beidseitige, leichte bis mittelschwere Schmerzen, die drücken oder ziehen
  • Dauer von 30 Minuten bis wenige Tage
  • leichte Beeinträchtigung im Alltag
  • am häufigsten ist der sporadische (episodische) Spannungskopfschmerz, seltener der chronische Typ

Laut der IHS-Klassifikation (Internationale Klassifikation von Kopfschmerzen) sind beim Spannungskopfschmerz auch einseitige Beschwerden, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit möglich.2 Da diese Symptome auch für eine Migräne sprechen können, ist es für den behandelnden Arzt nicht immer leicht, die richtige Diagnose zu stellen. Vor allem bei einer beginnenden Migräne, mit aufsteigenden Schmerzen aus dem Nacken, fällt die Abgrenzung schwer. 94 Prozent der Migränepatienten geben an, zusätzlich unter Kopfschmerz vom Spannungstyp zu leiden.3

Ursachen für Spannungskopfschmerzen: Stress, Verspannungen und Schlafmangel

Woher Spannungskopfschmerzen kommen, ist noch nicht vollständig erforscht. Jedoch lassen Studien vermuten, dass ihnen die gleichen Mechanismen wie einer Migräne zugrunde liegen, jedoch in schwächerer Ausprägung.4

Als Spannungskopfschmerz-Ursachen gelten:

  • Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur
  • Zähneknirschen (Bruxismus) oder Fehlfunktionen im Kiefergelenk
  • Schlafmangel
  • falsche Körperhaltung
  • Infekte wie Erkältungen
  • Überanstrengung der Augen

Daneben werden die Kopfschmerzen häufig durch Stress ausgelöst: Ständige innere Anspannung und Druck lasten auf dem Körper, es kommt zu muskulären Verspannungen. Ungünstig wirkt sich aus, dass die Patienten selbst ihren Stresspegel oftmals gar nicht wahrnehmen und ihre Gefühle unterdrücken – dies kann möglicherweise zu einem neuronalen Ungleichgewicht im Gehirn führen. Die Schmerzintensität hängt dabei scheinbar mit den gehemmten Gefühlen zusammen.5

Behandlung des Spannungskopfschmerzes

Was bei Spannungskopfschmerzen hilft, hängt von ihrer Art ab. Handelt es sich nur um gelegentliche Beschwerden (episodisch), sind zur Linderung Schmerzmittel geeignet. Da die Mittel jedoch Nebenwirkungen (zum Beispiel Schädigungen der Magenschleimhaut) verursachen können, sind sie nicht zur dauerhaften Einnahme geeignet. Weiterhin gibt es einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz durch einen übermäßigen Gebrauch der Schmerzmittel. Wenden Sie sich vor der Einnahme von Schmerzmitteln immer an einen Arzt.

Für die Behandlung chronischer Spannungskopfschmerzen (an durchschnittlich 15 Tagen pro Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten) ist das Mittel der Wahl ein trizyklisches Antidepressivum. Dieses wird täglich vorbeugend eingenommen und soll verhindern, dass es zu den Schmerzen kommt.3

Was hilft neben einer medikamentösen Therapie noch bei Spannungskopfschmerzen? Gute Effekte können meist schon mit angepassten Lebensumständen erzielt werden. Die Methoden lassen sich auch einsetzen, um akute Beschwerden zu lindern.

Bewährt haben sich bei der Behandlung und Vorbeugung von Spannungskopfschmerzen:

  • Biofeedback  (Steuerung der eigenen Körperfunktionen)
  • Entspannungsmethoden (Yoga, progressive Muskelentspannung, Thai Chi)
  • regelmäßiges, leichtes Ausdauertraining (Schwimmen, Radfahren, Walken)
  • Pfefferminzöl auf die Schläfen auftragen

Zusätzlich ist bei Kopfschmerzen durch Stress ein Stressbewältigungstraining empfehlenswert: Wie lassen sich die alltäglichen Anforderungen reduzieren und wie kann ich damit umgehen? Letztendlich muss jeder Patient selbst herausfinden, was ihn am meisten anspricht. Denn nur wenn die Freude nicht zu kurz kommt, integriert man die Maßnahmen dauerhaft in den Alltag.

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1 Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaf: Spannungskopfschmerz. Information für Patientinnen und Patienten. Abgerufen unter http://www.dmkg.de/files/dmkg.de/patienten/Download/spannsch.pdf (03.04.2019)

2 IHS Classification ICHD-ɪɪ: Sporadisch auftretender episodischer Kopfschmerz vom Spannungstyp. Abgerufen unter http://www.ihs-klassifikation.de/de/02_klassifikation/02_teil1/02.01.00_tension.html (03.04.2019)

3 Straube A. (2016): Kopfschmerz vom Spannungstyp. In: Gaul, C. & Diener, H. C. (Hrsg.): Kopfschmerzen. Stuttgart Georg Thieme Verlag. S. 90.

4 Ebd. S94.

5 Liesering-Latta E. & Lüking M.: Psychotherapie mit Kopfschmerzpatienten. In: Gaul, C. & Diener, H. C. (Hrsg.): Kopfschmerzen. Stuttgart Georg Thieme Verlag. S. 271.