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Migräne durch Stress: Wo liegt der Zusammenhang?

Druck in der Arbeit, eine Prüfung oder eine plötzliche Erkrankung des Kindes – jeder kennt solche stressigen Momente. Migränepatienten belasten sie häufig jedoch besonders, weil der Stress eine Attacke oder Spannungskopfschmerzen auslösen kann. Weiterhin bedrückt oftmals auch die Angst vor einer Migräne die Psyche so stark, dass das die Kopfschmerzen hervorruft. Warum ist das so? Und wie schaffen Betroffene es, in schwierigen Situationen gelassen zu bleiben?

Frau , die häufig an Migräne durch Stress leidet, macht Entspannungsübungen.
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Der Zusammenhang zwischen Migräne und seelischen Ursachen

Stress wird von Patienten mit Abstand am häufigsten als Auslöser (Triggerfaktor) von Migräne genannt.1 Vor allem Belastungen im Beruf, aber auch Druck in der Freizeit sind Gründe, weshalb sich Befragte der Studie oft gestresst fühlen. Dabei fällt auf, dass eine Migräneattacke bei vielen Patienten meist nicht während der akut stressigen Situation auftritt, sondern erst in der nachfolgenden Entspannungsphase. Da die Erholung oft mit dem lang ersehnten Wochenende zusammenfällt, bezeichnen Mediziner diese Art von Migräne auch als „Wochenendmigräne“. Aber warum kommt es dazu?

In emotional belastenden Situationen reagiert der Körper, indem er vermehrt das Hormon Cortisol ausschüttet. Dieses hat eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem und wird in der Medizin deshalb häufig auch zur Hemmung von Entzündungen verwendet. Mediziner vermuten, dass Schwankungen im Cortisol-Spiegel dafür verantwortlich sind, dass beim Nachlassen von Stress eine Migräne eintreten kann.2

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Menschen am Wochenende einen anderen Schlafrhythmus haben. Für Migräne-Patienten ist das ebenfalls ein möglicher Trigger.

Fazit: Nicht das absolute Stressniveau entscheidet, ob sich eine Migräne durch Stress anbahnt, sondern die Veränderung des Stressniveaus. Beispielsweise kann sich in einer Phase der Entspannung nach einer stressigen Arbeitswoche eine Migräne ankündigen oder umgekehrt, wenn plötzlich eine unvorhergesehene Stresssituation eintritt.

Was ist Stress überhaupt?

Um den Migräne-Auslöser Stress besser zu verstehen und psychosomatische Ursachen zu ergründen, ist vor allem eine Frage entscheidend: Was ist Stress eigentlich genau?

Stress meint einen körperlichen Spannungszustand, der durch verschiedene Reize (wie die Angst, etwas nicht zu schaffen) ausgelöst werden kann. Der Körper versetzt sich in Alarmbereitschaft, indem er den Herzschlag beschleunigt, die Muskeln anspannt und die Durchblutung im Gehirn erhöht. Eigentlich sind das nützliche Reaktionen des Körpers, um akut die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Nimmt der Stress jedoch überhand und/oder bleibt er über einen längeren Zeitraum bestehen, kann er uns krankmachen.

Wann diese Belastungsgrenze erreicht ist, ist dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem von der Persönlichkeit oder dem erlernten Umgang mit Stresssituationen. Beispielsweise kann das gleiche Geschäftsessen für die eine Person anstrengend sein, während sich die andere wohlfühlt.3

Stress ist folglich ein sehr subjektives Empfinden, was die Untersuchung von seelischen Ursachen bei Migräne nicht unbedingt erleichtert. Gerade weil Stress für jeden etwas anderes bedeutet, ist es also wichtig, dass Sie Ihre individuellen Stressfaktoren ausfindig machen. Dabei kann Ihnen ein Migränetagebuch helfen.

Migräne durch Stress – das können Sie tun

Die Fähigkeit, Stress zu bewältigen, ist eine wesentliche Maßnahme zur Vorbeugung von Migräne. Aber wie gehen Sie im Alltag am besten damit um?

  • Struktur: Für Migränepatienten kann ein strikt geplanter Tagesablauf bei der Strukturierung der Aufgaben helfen. Achten Sie jedoch darauf, sich nicht zu viel zuzumuten. Am besten Sie planen zwischendurch kleine Pausen ein – zum Beispiel für einen kurzen Spaziergang in der Mittagspause.
  • Suchen Sie sich Unterstützung im Alltag: Gerade für Eltern ist es nicht einfach, Migräne und Kinder gleichzeitig zu bewältigen. Im Notfall, zum Beispiel wenn das Kind krank ist, ist es deshalb wichtig, wenn Sie sich auf Personen in ihrem Umfeld, zum Beispiel die Großeltern oder gute Freunde, verlassen können.
  • Bewegung: Daneben ist regelmäßiger Ausdauersport wie Walking oder Joggen – etwa drei bis viermal in der Woche – eine gute Möglichkeit, um Stress abzubauen.
  • Entspannung: Außerdem können Sie Entspannungsübungen wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson erlernen, um für Körper und Geist etwas Gutes zu tun.

Weiterhin kann es hilfreich sein, sich vertraute Personen zu suchen, um über Ihre Unsicherheiten zu sprechen. Zusätzlich stehen spezielle Stressbewältigungskurse zur Verfügung, wo die psychosomatischen Ursachen Ihrer Migräne identifiziert werden und in denen Sie Verfahren kennenlernen, um stressigen Situationen gelassener zu begegnen. Bei Migräne durch Stress können jedoch ebenso seelische Ursachen wie Angstgefühle zugrunde liegen.

Wenn die Angst vor Migräne zur Attacke führt

Die ständige Angst vor der Migräne begleitet viele Patienten und belastet die Psyche. Denn die heftigen Schmerzen, gepaart mit Übelkeit oder visuellen Störungen, werden oftmals zur Qual. Das kann soweit führen, dass die Betroffenen direkt nach einer überstandenen Migräne-Attacke Ängste entwickeln, dass bald eine neue ins Haus steht. So sind sie innerlich angespannt und gestresst.

Frau mit Angst vor Migräne sitzt am Fenster und schaut hinaus.
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In einer Untersuchung kam heraus, dass die Ängste umso größer sind, je häufiger Migräne-Attacken auftreten.4 Daher kann Angst durchaus als Triggerfaktor für Migräne fungieren. Durch die Empfindung gerät der Körper in eine Stresssituation, was wiederrum zu den Kopfschmerzen führt. Betroffene machen sich beispielsweise in folgenden Situationen angstvolle Gedanken:

  • Es steht ein wichtiger Termin auf der Arbeit an. Die Angst, dass eine Migräne-Attacke zum Ausfall führt, steigt so weit, dass es tatsächlich dazu kommt.
  • Ein schöner Abend mit Freunden wird die ganze Zeit durch die Angst begleitet, dass sich die späte Uhrzeit oder das Gläschen Sekt am nächsten Tag rächen werden.
  • Etwas im Leben verändert sich: Ein neuer Job oder ein Umzug kann durch ständige Angst begleitet werden, dass sich eine schmerzhafte Migräne ausbildet.

So entwickeln sich Ängste oftmals zur selbsterfüllenden Prophezeiung: Sie lösen einen derartigen Stress aus, dass das Befürchtete tatsächlich eintritt. Es entsteht ein Teufelskreis, der sich schwer durchbrechen lässt.

Migräne und Psyche

Bei manchen Personen entstehen aus den Ängsten psychische Erkrankungen. Bei diesen Angststörungen nimmt die Furcht übermäßige Ausmaße an, die Betroffenen leiden unter Panikattacken oder Phobien. Weitere Zusammenhänge bestehen zu Depressionen und bipolaren Störungen. Alle Erkrankungen kommen bei Migränepatienten gehäuft vor und sollten ärztlich behandelt werden.5

Tipps gegen die Migräne-Angst: Was kann man tun?

Wenn Sie ständig Angst vor Migräne haben oder gar Panik entwickeln, scheuen Sie sich nicht und suchen Sie unbedingt einen Arzt auf. Es gibt eine Vielzahl an Therapien, die zur Behandlung infrage kommen. Dazu gehören zum Beispiel Psycho- und Verhaltenstherapien oder auch Medikamente.

Darüber hinaus haben wir einige Tipps, was Sie selbst gegen Angst vor Migräne tun können:

  • mehr Gelassenheit: Versuchen Sie, Ihr Leben nicht komplett nach Ihren Ängsten zu gestalten. Wenn Sie Verabredungen absagen oder auf jede kleine Sünde verzichten, weil Sie Angst vor Migräne haben, leiden Sozialleben und die Lebensqualität. Das führt wiederum zu Verspannungen und Unzufriedenheit. Stattdessen ist es ratsam zu lernen, mit den Triggern umzugehen und sich ihnen in kleinen Dosen immer mal wieder auszusetzen. So besteht die Chance, dass sich Ihr Körper daran gewöhnt.
  • Sport: Kopfschmerzexperten sind überzeugt davon, dass regelmäßiger Sport eine Möglichkeit bietet, den Teufelskreis zu durchbrechen. Zwei- bis viermal Bewegung pro Woche von mindestens einer halben Stunde wird empfohlen.6 Ideal: Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Walking.
  • Entspannungsübungen: Um die Angst vor Migräne zu bewältigen, lassen sich die gleichen Techniken wie zum Stressabbau verwenden. Entspannungsverfahren wie autogenes Training, aber auch Yoga oder Meditationen stehen zur Auswahl. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR). Studien haben bestätigt, dass das Programm zur Stressbewältigung helfen kann, mit der Krankheit besser umzugehen und Stress, Angst und Depressionen zu reduzieren.7  

Tipp: Wir haben für Sie Übungen zusammengestellt, mit denen Sie Verspannungen abbauen und Migräne vorbeugen können. Sehen Sie sich die Bewegungsvideos an.

 

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Quellen

1Kelman, L. (2007): The triggers or precipitants of the acute migraine attack. In: Cephalalgia. Ausg. 27, Nr. 5, S. 394–402.
2Lipton, R. et al. (2014): Reduction in perceived stress as a migraine trigger. Testing the “let-down headache” hypothesis. In: Neurology.
3Kaluza, G. (2015): Stressbewältigung: Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung (3. Aufl.). Berlin. Heidelberg: Springer-Verlag.
4Rech A: Keine Angst vor Kopfschmerzen! URL: https://www.migraeneliga.de/keine-angst-vor-kopfschmerzen/ (04.08.2020). 
5Vetter C. (2003): Migräne: Hohe Komorbidität bei psychiatrischen Erkrankungen. Deutsches Ärzteblatt International. URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/39340/Migraene-Hohe-Komorbiditaet-bei-psychiatrischen-Erkrankungen (04.08.2020). 
6Rech A: Keine Angst vor Kopfschmerzen! URL: https://www.migraeneliga.de/keine-angst-vor-kopfschmerzen/ (04.08.2020).
7Bohlmeijer E., Prenger R. Taal E. & Cuijpers P. (2010): The effects of mindfulness-based stress reduction therapy on mental health of adults with a chronic medical disease: A meta-analysis. Journal of Psychosomatic Research. 68 (6). 539-544.