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Prophylaxe: Migräne vorbeugen

Migräne ist leider immer noch nicht heilbar, die Betroffenen sollten die Hoffnung auf eine Perspektive, gut im Alltag zurechtzukommen, aber nicht aufgeben: Es gibt Möglichkeiten der Migräneprophylaxe – sowohl medikamentöse, als auch nicht-medikamentöse, mit denen die Lebensqualität von Menschen mit Migräne verbessert und Dauer, Häufigkeit sowie Intensität der Attacken vermindert werden können.

Migräne vorbeugen: Junge Frau ist guter Dinge, dass ihre Migräneanfälle durch die Migräneprophylaxe nicht mehr so häufig auftreten.
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Medikamentöse Migräneprophylaxe

Es ist wichtig, sich behutsam an die richtige Dosis der Medikamente heranzutasten. Ein auf dem Gebiet der Migräne erfahrener Hausarzt oder Neurologe steigert sie langsam bis zur ersten Zieldosis, von der üblicherweise eine Wirkung erwartet wird.

Eine medikamentöse Migräneprophylaxe kann nur dann zielführend sein, wenn sie nicht nur wirksam ist, sondern auch gut vom Patienten vertragen wird.

In erster Linie soll eine Behandlung die Zahl der Migränetage um 50 Prozent reduzieren.1 Ein weiteres Ziel ist es, das Risiko eines Medikamentenübergebrauchs von Schmerzmitteln und Triptanen in der Akuttherapie der Migräne zu vermeiden. Ein Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln ist für Triptane als Einnahme an zehn sowie für Schmerzmittel an fünfzehn oder mehr Tagen definiert.2

Für welche Patienten kommt sie infrage?

Wenn Sie sich in einem der folgenden Punkte wiedererkennen, können Sie Ihren Arzt bitten, Sie zur medikamentösen Migräneprophylaxe aufzuklären und zu beraten:4

  • Sie leiden mehr als dreimal im Monat unter Migräne. Die Attacken sind dabei so stark, dass ihre Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist.
  • Schmerz- oder Migränemittel helfen bei auftretenden Migräneattacken nur unzureichend. Oder: Sie gehören zu den Patienten, die die Medikamente wegen einer Vorerkrankung, zum Beispiel einer koronaren Herzkrankheit, nicht einnehmen dürfen.
  • Schmerzmittel oder Migränemittel sind Ihre treuen Begleiter, die 10-20-Regel (an 20 Tagen pro Monat sollte keine Migräneakutmedikation erfolgen) wird nicht berücksichtigt: Hier besteht ein erhöhtes Risiko, an einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu erkranken.
  • Die Migräneattacken häufen sich bei Ihnen. Eine Migräneprophylaxe soll verhindern, dass die Beschwerden chronisch werden.

Wichtig ist, dass Sie nicht zu schnell zu viel von sich, Ihrem Körper und der Wirksamkeit der Medikamente erwarten. Ob eine medikamentöse Migräneprophylaxe wirksam ist oder nicht, lässt sich erst nach einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten sagen.4 Um nachvollziehen zu können, ob die vorbeugende Therapie anschlägt, empfiehlt es sich, bereits Wochen vor Beginn der medikamentösen Migräneprophylaxe mit dem Führen eines Migränetagebuchs zu beginnen. So ist es möglich, zu sehen, ob sich die Anzahl der Migräneattacken nachweislich verringert.

Migräneprophylaxe mit Medikamenten: Worüber sich Patienten im Klaren sein sollten

Wichtig ist, dass Ihr behandelnder Arzt Sie auch umfassend über mögliche Nachteile einer medikamentösen Prophylaxe informiert:

  • Medikamente zur Migräneprophylaxe können Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln oder Gegenanzeigen (zum Beispiel bei Migräne in der Schwangerschaft) haben.
  • Die Medikamente müssen regelmäßig und über einen längeren Zeitraum (sechs bis neun Monate) eingenommen werden.6
  • Die Therapie darf nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt geändert oder abgebrochen werden.

Wenn es auch einige Aspekte zu beachten gibt: Eine Migränefreiheit ist wünschenswert und unter bestimmten Voraussetzungen oft machbar.

Übersicht über Prophylaktika

Es gibt mehrere Wirkstoffgruppen, die bei der Migräneprophylaxe zum Einsatz kommen. Diese sind jedoch nicht migränespezifisch, das heißt, sie wurden nicht speziell gegen Migräne entwickelt. Hauptsächlich finden sie bei anderen Erkrankungen Anwendung – ihre Wirksamkeit bei Migräne wurde durch Zufall entdeckt.

Beispiele der Wirkstoffgruppen sind:

  • Antidepressiva (größtenteils verwendet, um Depressionen zu behandeln)
  • Betablocker (auch bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck)
  • Antikonvulsiva (Medikamente, die auch gegen Epilepsie eingesetzt werden)
  • Kalziumantagonisten (damit therapieren Ärzte auch Herz- und Gefäßkrankheiten)
  • pflanzliche Präparate, Vitamine und andere Substanzen (geringere Wirksamkeit als die zuvor genannten)7

Welche Medikamente Ihnen der Arzt empfiehlt, um der Migräne vorzubeugen, hängt von vielen Faktoren ab; zum Beispiel davon, welche Nebenwirkungen zu erwarten sind oder ob zusätzliche Erkrankungen vorliegen.

Ohne Medikamente der Migräne vorbeugen

Neben der medikamentösen Migräneprophylaxe ist die nicht-medikamentöse Vorbeugung ein wichtiger Baustein. Als entscheidend gilt dabei, sie in ein stimmiges Grundkonzept einzubinden. Erfahren Sie hier, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Akupunktur als Migräne-Prophylaxe

Viele Wissenschaftler beschäftigen sich mit der Frage, ob Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne dienen kann. Bewiesen ist bisher, dass die Häufigkeit von Migräneattacken nach einer Akupunktur oftmals abnimmt. Ob das Prinzip der Akupunktur bei Migräne eine Wirkung erzielt, hängt auch davon ab, um welche Migräneform es sich handelt. Wissenschaftlich belegt ist, dass Akupunktur zur Vorbeugung von episodischer Migräne beitragen kann.8 Handelt es sich um chronische Migräne konnten Forscher bisher keine aussagekräftigen Erkenntnisse gewinnen.9

Biofeedback-Therapie

Burnout, Rückenschmerzen, Verstopfung und sogar Inkontinenz – das Einsatzgebiet der sogenannten Biofeedback-Therapie ist vielfältig. Das Prinzip kommt auch zur Vorbeugung von Migräne zum Einsatz. Ziel ist es, über die Rückmeldung (Feedback) der eigenen Körperfunktionen auf bestimmte Situationen zu reagieren und diese bewusst zu beeinflussen. Im Fokus steht dabei, die Abläufe im Körper wahrzunehmen und besser kennenzulernen sowie einschätzen zu können. Dafür setzt der Arzt dem migränekranken Patienten Elektroden auf entsprechende Muskeln. Gemessen wird bei Migräne meist die Aktivität der Kopfmuskeln sowie der Puls. Während die Werte beobachtet werden, zeigt der Mediziner dem Betroffenen, wie er die Funktionen selbst aktiv beeinflusst. Folglich kann die Person einer Migräneattacke möglicherweise vorbeugen.

Migräne-Piercing zur Vorbeugung

Ein Ohr-Piercing gegen Migräne? Klingt abstrus, ist aber tatsächlich Bestandteil einiger Forschungen. Es besteht die Annahme, ein sogenanntes Migräne-Piercing am Ohrknorpel könne nach dem Prinzip der Akupunktur Migräneattacken vorbeugen. Bisher gibt es hierzu jedoch keinerlei wissenschaftliche Belege – viele Experten raten sogar explizit davon ab.10 Da der Knorpelbereich weniger stark durchblutet ist, kann es vor allem hier zu einer langsameren Wundheilung und folglich zu Infektionen kommen.

Progressive Muskelentspannung: Leicht zu erlernen und wirkungsvoll

Bei der progressiven Muskelentspannung handelt es sich um eine Entspannungsmethode. Sie dient dazu, dass Menschen erlernen, die wichtigsten Muskeln ihres Körpers kontrolliert anzuspannen und daraufhin wieder zu entspannen. Die progressive Muskelentspannung stammt von dem Arzt und Physiologen Jacobsen und soll bei regelmäßiger Anwendung unter anderem Migräneattacken vorbeugen. Patienten ist es möglich, diese Übungen selbst Zuhause durchzuführen.

Bewegungsvideos gegen Verspannungen

Verspannungen im Nacken hatten vermutlich die meisten Menschen schon einmal. Sie erschweren Menschen mit Migräne auch häufig nach einer Attacke noch den Alltag, gelten jedoch ebenso als Trigger (Auslöser) solcher Migräneattacken. Die gute Nachricht: In unseren Bewegungsvideos finden Sie Übungen und Massage-Anleitungen, mit denen Sie selbst aktiv werden können.

Kognitive Verhaltenstherapie bei Migräne

Neben dem Einsatz von Medikamenten empfehlen Mediziner bei Migräne die Kombination mit einer Psychotherapie.11 Bewährt hat sich dabei die kognitive Verhaltenstherapie zur Vorbeugung von Migräne.12

Psychologische Faktoren wie Stress spielen bei herkömmlichen Kopfschmerzen eine wesentliche Rolle. Dies gilt auch für Migräne: Stress zählt zu den häufigsten Auslösern einer Attacke und kann deren Häufigkeit steigern.13 Auch wenn sich Alltagstrubel nicht immer vermeiden lässt, haben Patienten die Möglichkeit, hier zielgerichtet entgegenzuwirken. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus der kognitiven Behandlungsmethode sowie der psychotherapeutischen Verhaltenstherapie. Die Bestandteile setzen sich wie folgt zusammen:

  • Zunächst gilt es, das Erkennen (Kognition) des Patienten zu beeinflussen. Viele Menschen geraten bereits in Stresssituationen, wenn sie eine bestimmte Gegebenheit als negativ wahrnehmen. Die kognitive Therapie hilft dabei, pessimistische Denkmuster durch realistische Einschätzungen zu ersetzen und somit unnötigen Stress im Alltag zu reduzieren – sie kann dadurch einer Migräneattacke vorbeugen.
  • Mit Hilfe der Verhaltenstherapie in Form einer Psychotherapie erlernen Patienten mit Migräne zusätzlich, Verhaltensmuster, die ihnen den Alltag erschweren, abzulegen. Personen, deren Denkmuster negativ geprägt sind, neigen zum Beispiel häufig dazu, sich zurückzuziehen. Folglich fühlen sie sich häufig noch isolierter und einsamer, was eine Migräneattacke begünstigen kann.

Die kognitive Verhaltenstherapie bricht Denk- und Verhaltensmuster auf und gilt somit als Prophylaxe bei Migräne.

Wer trägt die Kosten für die kognitive Verhaltenstherapie?

Bei Erkrankungen, die zu einem erheblichen Leidensdruck bei Betroffenen führen, bezahlt die Krankenkasse in manchen Fällen die Therapie. Hierfür muss die migränekranke Person einen Antrag stellen, welcher von den zuständigen Mitarbeitern genehmigt werden muss. Erkundigen Sie sich hierfür direkt bei Ihrer Krankenkasse.

Weitere Tipps zur Migräne-Prophylaxe

Welche Maßnahmen vorbeugend gegen Migräneattacken hilfreich sind, hängt oftmals auch vom Betroffenen ab. Was für den einen Menschen Entspannung bedeutet, nimmt ein anderer als Stress wahr. Es gilt, in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt, selbst herauszufinden, welche Methoden Wirkung zeigen.

Zu den sogenannten Basismaßnahmen zählen unter anderem:14

  • Ausdauersport wie Schwimmen, Walken oder Radfahren, mindestens dreimal wöchentlich
  • Stress reduzieren
  • sich regelmäßige Pausen im hektischen Alltag gönnen
  • auf genügend Schlaf achten
  • gegebenenfalls zusätzlich vorhandene psychische Erkrankungen nicht ignorieren, sondern eine Behandlung in Anspruch nehmen
  • sich über Migräne schulen und aufklären lassen

Zu guter Letzt gehört auch das Vermeiden individuell unterschiedlicher Auslösefaktoren (sogenannte Trigger) zu den nicht-medikamentösen Maßnahmen, um der Migräne vorzubeugen. Das können ein unregelmäßiger Schlafrhythmus, aber auch bestimmte Lebensmittel sein.

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Quellen

1Totzeck, A. & Diener, H.C. (2016): Migräne. In: Gaul, C. & Diener H.C. (Hrsg.): Kopfschmerzen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. S. 80.
2Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln. URL: https://www.dgn.org/leitlinien/2286-ll-57-2012-kopfschmerz-bei-uebergebrauch-von-schmerz-und-migraenemitteln (Stand: 30.11.2017).
3Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Therapie der Migräne (Leitlinie). URL: https://www.dgn.org/leitlinien/2298-ll-55-2012-therapie-der-migraene, (Stand: 14.12.2017).
4Totzeck, A. & Diener, H.C. (2016): Migräne. In: Gaul, C. & Diener H.C. (Hrsg.): Kopfschmerzen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. S. 80.
5Göbel, Hartmut: Migräne: Diagnostik, Therapie, Prävention; 2012, Springer, Berlin [u.a.], S. 252.
6Totzeck, A. & Diener, H.C. (2016): Migräne. In: Gaul, C. & Diener H.C. (Hrsg.): Kopfschmerzen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. S. 80-81.
7Göbel H.: Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne, Berlin: Springer Verlag, S. 331.
8Diener HC., Gaul C. und Kropp P. et al: Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2018, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. URL: https://www.dgn.org/leitlinien/3583-ll-030-057-2018-therapie-der-migraeneattacke-und-prophylaxe-der-migraene (29.01.2020).
9Diener HC., Gaul C. und Kropp P. et al: Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2018, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. URL: https://www.dgn.org/leitlinien/3583-ll-030-057-2018-therapie-der-migraeneattacke-und-prophylaxe-der-migraene (29.01.2020).
10Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.: Die DMKG warnt: Piercing ist nicht zur Therapie der Migräne geeignet! URL: http://www.dmkg.de/therapie-empfehlungen/migraene/die-dmkg-warnt-piercing-ist-nicht-zur-therapie-der-migraene-geeignet.html (Stand: 13.07.2020).
11Springer Medizin Verlag GmbH: Mit Verhaltenstherapie gegen Migräne. URL: https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Mit-Verhaltenstherapie-gegen-Migraene-233625.html (13.07.2020).
12ebd.
13Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft e.V.: Psychologie und Kopfschmerz. URL: https://www.dmkg.de/patienten/psychologie-und-kopfschmerzen (13.07.2020).
14Totzeck, A. & Diener, H.C. (2016): Migräne. In: Gaul, C. & Diener H.C. (Hrsg.): Kopfschmerzen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. S. 80.