Sie scheinen eine veraltete Version der Internet Explorers zu verwenden, die von dieser Webseite nicht unterstützt wird. Bitte nutzen Sie einen Browser wie zum Beispiel Microsoft Edge, Chrome, Firefox oder Safari in einer aktuellen Version.

Adobe Stock, sebra, 281919292

Biowetter und der Einfluss auf Migräne: Kann das Wetter Attacken auslösen?

Für viele Migränepatienten ist klar: Das Wetter ist schuld an ihrer Migräne. Demnach können beispielsweise abrupte Wetterwechsel das „Gewitter im Kopf“ verursachen. Aber besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen dem sogenannten Biowetter und einer Migräne? Oder handelt es sich lediglich um ein subjektives Empfinden?

Direkt zum Thema: 

Die Sonne scheint – viele Menschen mit Migräne machen das Biowetter für ihre Migräneattacken verantwortlich.
AdobeStock_170367648

Kopfschmerzwetter – das berichten Betroffene

Bei einer Studie wurden über 1000 Patienten mit Migräne nach ihren individuellen Ursachen der speziellen Kopfschmerzen befragt. Knapp 53 Prozent nannten dabei Wetterumschwünge als Migräneauslöser (Triggerfaktoren)1. Nach StressHormonschwankungen und fehlenden Mahlzeiten liegt das Wetter dadurch auf dem vierten Platz der am häufigsten beobachteten, subjektiven Trigger.1 In Süddeutschland berichten Betroffene beispielsweise, dass sie die Auswirkungen des Föhns „spüren“, eines trockenen Fallwinds, der an der Nordseite der Alpen entsteht und abrupte Wetterveränderungen verursacht. Aber welche Verbindung besteht zwischen Wetter und Migräne?
 

Können Temperaturanstieg und Luftdruckabfall Migräneattacken hervorrufen?

Eine Reihe von Studien deutet auf einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Migräne hin. Sie fokussieren sich jedoch auf unterschiedliche Wetterfaktoren und lassen daher keine einheitlichen Rückschlüsse zu. Auslösende Bedingungen, die in einigen Studien nachgewiesen wurden, sind unter anderem:

  • Luftdruckänderungen ( Wechsel von Tief- auf Hochdruckwetter)2,3
  • Anstieg der Durchschnittstemperatur um 5 Grad Celsius (innerhalb eines Tages)4 
  • Föhnwetterlagen5

Allgemein lassen die Erkenntnisse vermuten, dass in erster Linie die Veränderungen von meteorologischen Parametern (zum Beispiel Luftdruck) eine Rolle spielen könnten. Andere Untersuchungen wiederum zeigen keinen Einfluss von Wetterfaktoren auf eine Migräne.

Es gibt auch Zweifel 

Gegen einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Migräne spricht, dass sich in verschiedenen Klimazonen sowohl der Anteil von Betroffenen als auch die Häufigkeit der Schmerzattacken nicht signifikant unterscheiden. Zudem konnten Studien, die die Aufzeichnungen von Patienten in Migränekalendern mit den Daten aus Wetterstationen verglichen, keinen Zusammenhang entdecken.6

Experten vermuten, dass Betroffene mit der Erwartung „bei Gewitter bekomme ich Migräne“ eher dazu tendieren, das Wetter aufmerksamer zu beobachten; sich unter Umständen also selbst so stark beeinflussen, dass es tatsächlich zu einer Attacke kommt. Und auch Ergebnisse des Migräne-Radars, einer Forschungsinitiative der Hochschule Hof, zeigen, dass eine Wetterveränderung lediglich bei etwa vier Prozent der Patienten Migräneanfälle begünstigen kann.7

Bei Migräne spielen also oft mehrere auslösende Faktoren zusammen. So haben beispielsweise viele Menschen bei schönem Wetter bessere Stimmung und sind dadurch weniger gestresst. Schlechte Witterung kann hingegen auf die Laune drücken und das Risiko einer Migräne erhöhen. Da es oft subjektiv wahrgenommen wird, steht das Wetter als möglicher Einfluss auf der Liste der Migräne-Trigger.

Biowetter und Migräne – worin liegt die Verbindung?

Bevor es zu der Erklärung des Zusammenhangs beider Faktoren kommt, gilt es die Frage „Was ist Biowetter?“ aufzulösen. Der Deutsche Wetterdienst fast unter dem Begriff das Wetter zusammen, welches das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Menschen auf unterschiedliche Wege beeinflusst.8 Befindlichkeitsstörungen, aber auch Änderungen von Krankheitsbildern wie kardiovaskulärer-Probleme, sind oft auf Wettereinflüsse zurückzuführen. Bestätigt wird das durch biometeorologische Studien.11 

Der Körper passt sich an 

Damit die Organfunktionen optimal laufen, muss der Organismus auf Änderungen der Temperatur und des Wetters reagieren – zum Beispiel, um die Körperwärme bei 37 Grad Celsius zu halten. Darum kümmert sich das sogenannte vegetative Nervensystem, der Mensch selbst kann den Vorgang nicht bewusst steuern. Manche Personen nehmen diese Anpassungsvorgänge jedoch mehr wahr als andere.9

Menschen, die derartige Veränderungen bemerken, werden als wetterfühlig bezeichnet. Es gibt verschiedene Indikationen, bei denen sie eine Auswirkung durch das Wetter bemerken, dazu zählen: 

  • Herz -Kreislauf-Erkrankungen
  • rheumatische Erkrankungen
  • Atemwegserkrankungen
  • allgemeine Befindlichkeitsstörung

Um Betroffenen den Alltag leichter zu gestalten, gibt es bestimmte Vorhersagen vom Wetterdienst. Wie funktionieren Migräne-Wetterkarten?
 

Migräne-Wetterkarten

Ein Anhaltspunkt, wann die Wetterlage Stress für den menschlichen Organismus mit sich bringen kann, sind Biowetter-Karten beziehungsweise Migräne-Wetterkarten . Sie zeigen zum Beispiel, wann sich die nächste Migräne, ausgelöst durch das Wetter, bemerkbar machen könnte. Ziehen Gewitter auf, kann die Schwüle unter anderem ein Risikofaktor für Kopfschmerzwetter sein. Aber auch hohe Temperaturen, die mitunter zu Schlafmangel führen, sind mögliche Ursachen für Migräne. Die Wettervorhersagen stellen zwar nur einen Hinweis für Biowetter als Auslöser der speziellen Kopfschmerzen dar, helfen aber manchen Patienten, sich darauf vorzubereiten. Wo Sie die Informationen finden? 

Blitz am Himmel – das Biowetter kann Migräne-Attacken beeinflussen.
AdobeStock_107562388

Migräne-Radar

Der Migräne-Radar (kurz „Mira“) ist ein Projekt der Hochschule Hof, der Migräne- und Kopfschmerz-Klinik Königstein und der Universitätsmedizin Rostock. Er hat das Ziel, die Auslöser von Migräne genauer zu erforschen. Wetter, Stress, hormonelle Schwankungen – als Teil des Forschungsprojekts tragen Betroffene dazu bei, Erkenntnisse in dieser Richtung voranzubringen.

Wie können Sie als Migräne-Patienten helfen? Ganz einfach: Sie müssen sich dafür über eine Web-Anwendung oder über Smartphone-Apps anmelden und danach jede Attacke im Programm vermerken. Die Vielzahl an Auswertungen unterstützen die Forscher, genaueres über die Auslöser von Migräne, wie das Biowetter, zu erfahren und so zukünftig möglicherweise geeignete Therapieansätze zu entwickeln

Tipps für wetterfühlige Menschen mit Migräne

Am Wetter können wir leider nichts ändern, doch es ist möglich, Vorkehrungen zu treffen. Informieren Sie sich beispielsweise über die Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne und notieren Sie außerdem in Ihrem Migränetagebuch, bei welcher Art von Wetter Sie besonders empfindlich reagieren. Dann können Sie einige Maßnahmen in Betracht ziehen:

  • Wenn Ihnen beispielsweise hohe Temperaturen zu schaffen machen, sollten Sie Urlaub lieber in Regionen mit weniger heißem Klima verbringen.
  • Zudem gilt es, insbesondere im Sommer, stets genügend zu trinken.
  • Sorgen Sie bei starken Temperaturunterschieden innerhalb und außerhalb von Gebäuden durch regelmäßiges Lüften für moderaten Temperaturausgleich.
  • Mit Wechselduschen und Kneipp-Gängen können Sie sich zudem abhärten – und den Kreislauf stärken.
  • Schlafen ist die beste Medizin: Starten Sie bei Schmuddelwetter am besten ausgeruht in den Tag, dann lässt es sich oft auch bei Migräne leichter mit widrigen Wettereinflüssen umgehen.

Damit Sie eine Migräne bei einem Wetterumschwung nicht unvorbereitet trifft, ist es möglich, bereits im Vorfeld Maßnahmen zu ergreifen und beispielsweise Schmerzmittel griffbereit zu haben – damit das „Gewitter im Kopf“ möglichst schonend an Ihnen vorbeizieht.

Das könnte Sie auch interessieren

Übungen
Adobe Stock, sebra, 189344943

Einfache Übungen

Eine entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule beugen einer Migräne-Attacke vor. Was können Sie dafür tun?

Arztkommunikation
Adobe Stock, sepy , 140321224

Beim Arzt

Sie müssen Migräne-Schmerzen nicht einfach aushalten. Holen Sie sich professionelle Hilfe!

Migraenetagebuch
Adobe Stock, tortoon , 127658901

Migränetagebuch

Mit einem Tagebuch können Sie Migräneauslöser identifizieren und den Therapieverlauf verfolgen.

Quellen

1Kelman, L. (2007): The triggers or precipitants of the acute migraine attack. Cephalalgia, 27(5), 394-402.
2Varin, C. & C. Czado (2010): A mixed autoregressive probit model for ordinal longitudinal data. Biostatistics, 11, S. 127-38.
3Kimoto, K. et al.: (2011) Influence of barometric pressure in patients with migraine headache. Intern Med, 50, 1923-8.
4Kenneth, M. et al. (2009): Weather and air pollution as triggers of severe headaches. In: Neurology. Ausg. 72, Nr. 10. S. 922-927. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2677474/ (15.09.2020).
5Walach, H., A. Schweickhardt & K. Bucher (2002): Does weather modify headaches? An empirical evaluation of bioweather categorization. In: Schmerz, Nr. 16, S.1-8.
6Zebenholzer, K. et al. (2010): Migraine and weather: A prospective diary-based analysis. In: Cephalalgia. Ausg. 31, Nr. 4, S. 391-400.
7Vogel, T. (2017): Hochschule Hof Migräne Radar: Neue Projektergebnisse liegen vor. URL: https://idw-online.de/de/news?print=1&id=682658 (15.09.2020).
8Deutscher Wetterdienst: Bio-Wetter. URL: https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/ku_beratung/gesundheit/biowetter/biowetter_node.html (14.09.2020). 
9Deutscher Wetterdienst: Allgemeines zur Wetterfühligkeit. URL: https://www.dwd.de/DE/leistungen/gefahrenindizesbiowetter/allgemeines.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (14.09.2020).