Cluster-Kopfschmerz: Symptome und Behandlung der extremen Schmerzattacken

Mann mit Cluster-Kopfschmerzen hält sich den Kopf.

Cluster-Kopfschmerzen (Bing-Horton-Syndrom) sind durch einseitige Kopfschmerzattacken gekennzeichnet, die in ihrer Schmerzintensität äußerst stark auftreten. Die Betroffenen leiden oft enorm unter den wiederkehrenden Anfällen. Die Ursachen bleiben unklar und eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Es stehen jedoch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Linderung der Beschwerden zur Verfügung.

Was sind Cluster-Kopfschmerzen (Bing-Horton-Syndrom)?

Cluster-Kopfschmerzen werden, wie Migräne, den primären Kopfschmerzerkrankungen zugeordnet. Sie sind durch stechende oder schneidende Kopfschmerzen gekennzeichnet, die 15 bis 180 Minuten andauern.1 Dabei treten die Schmerzen typischerweise einseitig auf. Mediziner unterscheiden zwei Arten des Cluster-Kopfschmerzes:

  • Episodisch: Die Anfälle ereignen sich beim Großteil der Patienten in Perioden. Über einige Wochen bis Monate hinweg können täglich bis zu acht Schübe entstehen. Anschließend folgen Zeiten, die mehrere Monate andauern und völlig ohne Symptome von Cluster-Kopfschmerzen ablaufen. Patienten mit einem episodischen Cluster-Kopfschmerz leiden vor allem im Frühjahr und Herbst unter Attacken.
  • Chronisch: Chronische Verläufe der Erkrankung sind seltener, in dem Fall sind die Kopfschmerzanfälle über das ganze Jahr verteilt zu erwarten.

Gut zu wissen!

Die Erkrankung unterliegt einem zeitlichen Rhythmus: Die einseitigen Kopfschmerzen entwickeln sich vorrangig in den frühen Morgenstunden. Aus diesem Grund versuchen manche Betroffene den Zeitpunkt, ins Bett zu gehen, hinauszuzögern – in der Hoffnung, durch das späte Aufstehen einer Schmerzattacke auszuweichen.

Cluster-Kopfschmerzen sind die einzige primäre Kopfschmerzart, die bei Männern häufiger auftritt als bei Frauen. Meist erfolgt die Diagnose um das 30. Lebensjahr. Manchmal erkranken aber auch schon Kinder.2

Cluster-Kopfschmerzen: Ursachen, Auslöser und Risikofaktoren

Die Ursachen für Cluster-Kopfschmerzen sind noch nicht geklärt, Wissenschaftler diskutieren verschiedene Theorien:

  • Cluster-Kopfschmerzen erscheinen in Abhängigkeit zum Tages- sowie zum Jahresrhythmus. Eventuell unterliegt der innere Taktgeber des Menschen im Gehirn, der Hypothalamus, einer Fehlsteuerung.
  • Da das Schmerzzentrum hinter dem Auge liegt, könnten dortige Strukturen relevant für die Schmerzentstehung sein.

Alkohol gilt als bekanntester Auslöser für einen Cluster-Kopfschmerz-Anfall. Interessanterweise führt Alkoholkonsum aber nur während einer Clusterperiode zu den Kopfschmerzen. Außerhalb dieser Zeiträume vertragen Betroffene den Alkohol meist gut. Weiterhin werden folgende Trigger beschrieben:

  • histaminhaltige Nahrungsmittel (wie gereifter Käse)
  • Wetterwechsel
  • bestimmte Gerüche (zum Beispiel Benzin)
  • Blend- oder Blitzlicht

Ob die einseitigen Kopfschmerzen vererbt werden können, ist ebenfalls noch Gegenstand der Forschung. Eine familiäre Häufung lässt sich beobachten, aber ein einzelnes verändertes Gen scheint nicht die Ursache für die Erkrankung zu sein. Vielmehr stecken vermutlich mehrere veränderte Erbfaktoren in Kombination dahinter.

Cluster-Kopfschmerz oder Bing-Horton-Syndrom?

Die Bezeichnungen meinen dieselbe Krankheit. „Bing-Horton-Syndrom“ leitet sich von den Neurologen Bayard T. Horton und Robert Bing ab, die die Erkrankung Mitte des 20. Jahrhunderts beschrieben. Seit 1962 ist der Cluster-Kopfschmerz in die Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen der International Headache Society (IHS) aufgenommen.

Cluster-Kopfschmerzen: Symptome und Verlauf

Die heftigen Schmerzattacken gehören zu den stärksten, die ein Mensch empfinden kann. Die Schmerzen strahlen meist bis zum Kiefer oder Hinterkopf aus. Zusätzlich zu den einseitigen Kopfschmerzen tritt mindestens eine der folgenden Begleiterscheinungen auf:

  • gerötetes und tränendes Auge
  • Schweißbildung im Bereich der Stirn oder des Gesichts
  • angeschwollenes Lid
  • verstopfte oder laufende Nase
  • Völlegefühl im Ohr
  • Erröten des Gesichts

Während einer Attacke verspüren Betroffene häufig einen Bewegungsdrang: Sie wippen mit dem Oberkörper hin und her oder laufen auf und ab.3

Patienten mit Cluster-Kopfschmerzen empfinden ihr Leiden als starke Einschränkung in ihrer Lebensqualität. Daher können sogar Depressionen bis hin zu suizidalen Gedanken eine mögliche Folgeerscheinung sein. Zudem problematisch: Obwohl die Erkrankung aufgrund ihrer Symptome gut festgestellt werden kann, müssen viele Patienten oft jahrelang auf die Diagnose und damit eine wirksame Behandlung warten. Als Herausforderung gilt vor allem, dass Cluster-Kopfschmerzen selten vorkommen und damit unzureichend bekannt sind. Zudem wenden sich die Betroffenen oftmals erstmal an Ärzte anderer Fachrichtungen, wie Zahn- oder Augenmediziner.

Sobald bekannt ist, unter welcher Krankheit die Patienten leiden, kann in den meisten Fällen mit einer gezielten Therapie geholfen werden.

Einen typischen Verlauf gibt es bei Cluster-Kopfschmerzen nicht. Langzeitstudien zu dem Thema fehlen bisher. Möglich ist, dass die periodische Form in eine chronische Form übergeht oder umgekehrt. Bei manchen Patienten verlängern sich auch die anfallsfreien Zeiträume mit den Jahren.

Migräne oder Cluster-Kopfschmerz: Zwei unterschiedliche Erkrankungen

In ihren Symptomen unterscheiden sich Cluster-Kopfschmerzen (Bing-Horton-Syndrom) und Migräne in einigen Punkten. Migräneattacken kommen das ganze Jahr über vor, manche Patienten leiden ein- bis zweimal, andere mehrmals im Monat darunter. Die Kopfschmerzen werden als hämmernd, pulsierend oder stechend beschrieben. Neben den Kopfschmerzen treten bei der Migräne weitere Symptome auf, wie

  • Übelkeit,
  • Erbrechen oder
  • Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit

Daneben entwickeln einige Betroffene eine Aura, die unter anderem durch Sehstörungen gekennzeichnet ist und meist eine Attacke ankündigt. Circa 13 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer in Deutschland haben Migräne. Vom Cluster-Kopfschmerz sind deutlich weniger Menschen betroffen: circa 0,1 Prozent, wobei die Krankheit bei Männern viermal häufiger vorkommt.4,5 Auch die Therapie von Migräne und Cluster-Kopfschmerzen unterscheidet sich.

Wie diagnostiziert der Arzt den Cluster-Kopfschmerz?

Für eine Diagnose wenden Sie sich am besten an einen spezialisierten Neurologen. Zunächst wird der Mediziner die Krankheitsgeschichte erfragen. Dafür ist es wichtig, ihm möglichst detailliert zu berichten, wann, wie häufig und wie lange es zu Kopfschmerzen kommt. Auch begleitende Beschwerden oder mögliche Auslöser müssen Erwähnung finden. Anhand dieser Beschreibung kann der Arzt die Diagnose erstellen.

Tipp:

Eine große Hilfe kann für den Arzt ein Video oder Fotos von dem Patienten während eines Anfalls sein. Vor allem Veränderungen des Auges sollten darauf festgehalten werden.

Untersuchungen wie Hirnstrommessungen oder MRT (Magnetresonanztomographie) führt der Arzt durch, um andere Erkrankungen als Ursache für die Beschwerden auszuschließen. Bei Cluster-Kopfschmerzen sind die Ergebnisse indes unauffällig.

Cluster-Kopfschmerzen: Was hilft?

Viele Patienten sprechen auf eine Therapie gut an, sodass sich Stärke und Häufigkeit der einseitigen Kopfschmerzen verbessern.

Bei der Behandlung der Kopfschmerzerkrankung bleiben gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure meist wirkungslos. Selbst Opioide schlagen nicht an. Zur Akuttherapie einer Attacke sind zum einen die Inhalation von Sauerstoff und zum anderen Arzneimittel aus der Gruppe der Triptane die erste Wahl. Reiner Sauerstoff, eingeatmet mithilfe eines Inhalators über 15 bis 20 Minuten, hilft vielen Patienten, einen aufkommenden Anfall abzuschwächen oder ganz zu verhindern. Dafür muss er allerdings gleich zu Beginn der Attacke zur Anwendung kommen.

Triptane entfalten vor allem einen Effekt, wenn sie über ein Nasenspray gegeben oder unter die Haut gespritzt werden. Auf diese Weise gelangt der Wirkstoff schnell in den Körper. Eine weitere Möglichkeit sind lokale Betäubungsmittel, die Betroffene über die Nase anwenden können.

Wenn keine der genannten Therapien anschlägt, sind als letzte Möglichkeit operative Verfahren in Erwägung zu ziehen. Dabei werden gezielt Gehirnbereiche stimuliert. Allerdings müssen Betroffene mit Nebenwirkungen rechnen.6

Vorbeugung der Cluster-Kopfschmerzen

Zur Vorbeugung (Prophylaxe) der einseitigen Kopfschmerzen eignen sich Kortikosteroide und ein Wirkstoff aus der Gruppe der Calciumantagonisten.7 Zwar lassen sich mit den genannten Behandlungsmaßnahmen Cluster-Kopfschmerzen nicht heilen, aber immerhin besteht die Möglichkeit, die Attackenhäufigkeit und -länge zu reduzieren.

Was hilft noch bei Cluster-Kopfschmerzen? Patienten können:

  • auf Nikotin verzichten
  • Triggerfaktoren wie Alkohol meiden

Vor allem der Nikotinkonsum scheint im Zusammenhang mit der Häufigkeit der Anfälle zu stehen. Daher ist es ratsam, das Rauchen schnellstmöglich einzustellen.

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1 Totzeck, A. & Diener, H.C. (2016): Migräne. In: Gaul, C. & Diener, H. C. (Hrsg.): Kopfschmerzen. Stuttgart Georg Thieme Verlag. S. 100f.

2 Ebd.

3 Ebd.

4 Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Wie werden Clusterkopfschmerzen und Trigeminusautonome-Kopfschmerzen behandelt? URL: http://www.dmkg.de/patienten/medikamente-gegen-clusterkopfschmerzen.html (19.12.2018)

Totzeck, A. & Diener, H.C. (2016): Migräne. In: Gaul, C. & Diener, H. C. (Hrsg.): Kopfschmerzen. Stuttgart Georg Thieme Verlag. S. 100f.

May A. (2015): Cluster-Kopfschmerzen: Periodische Attacken. Deutsches Ärzteblatt, Nr. 112(49). URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/173166/Cluster-Kopfschmerzen-Periodische-Attacken (01.08.2019)

7 Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Wie werden Clusterkopfschmerzen und Trigeminusautonome-Kopfschmerzen behandelt? URL: http://www.dmkg.de/patienten/medikamente-gegen-clusterkopfschmerzen.html (01.08.2019)