Was tun bei Migräne: Medikamente in der Akuttherapie

Medikamente gegen Migräne werden im Akutfall eingesetzt

Bei der Akutbehandlung einer Migräne gibt es keine Maßnahme von der Stange: Die Medikamente, egal ob Schmerzmittel oder spezielle Migränemittel, müssen immer individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt sein. Es gilt, sowohl die Schwere der Attacken als auch Begleitsymptome wie Übelkeit oder Erbrechen bei der Entscheidung miteinzubeziehen. Doch welche verschiedenen Migräne-Medikamente gibt es überhaupt ?

Bei Migräne: Medikamententypen im Überblick

Das Pochen im Kopf wird immer stärker und schließlich unerträglich. Was tun? Bei akuter Migräne können verschiedene Medikamente helfen:

  • Schmerzmittel (Analgetika) beziehungsweise nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) hemmen die Produktion des körpereigenen Botenstoffs Prostaglandin. Dieser ist für die Schmerzwahrnehmung mitverantwortlich.
  • Antiemetika, beispielsweise Dimenhydrinat und Diphenhydramin, dienen zur Linderung der Migräne-Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen. Ein Antiemetikum wird in der Regel in Kombination mit einem Schmerzmittel angewendet, damit dieses nicht wieder erbrochen wird.
  • Spezifische, akute Migränemittel, sogenannte Triptane, können unter anderem die geweiteten Blutgefäße in den Hirnhäuten wieder verengen. Dadurch ist es möglich, einen Migräneanfall zu stoppen.

Egal welches Medikament in Ihrer Akuttherapie zum Einsatz kommt: Es sollte in enger Absprache mit einem Arzt oder Apotheker geschehen.

Richtiger Einsatz von Medikamenten bei Migräne

Circa 80 Prozent der Betroffenen setzen bei der Behandlung einer akuten Migräneattacke auf Schmerzmittel.1 Sind die Symptome leicht bis mittelschwer, können Analgetika beziehungsweise nicht-steroidale Antirheumatika (abgekürzt NSAR, zum Beispiel Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen) helfen. Bei sehr starken Schmerzattacken empfiehlt der Arzt oder Apotheker wahrscheinlich Triptane als das Mittel der Wahl. Diese speziellen Medikamente für Migräne werden in Form von Tabletten, Zäpfchen, Nasenspray oder Fertigspritzen eingenommen und sind entweder verschreibungspflichtig oder je nach Wirkstoff und Dosierung freiverkäuflich.

Wer mit Migräne-Symptomen wie Brechreiz und Übelkeit zu kämpfen hat, kann vor dem Schmerzmittel auch ein Antiemetikum einnehmen. Dieses trägt dazu bei, dass sich die Magen- und Darmaktivität wieder normalisieren. Dabei gilt: Erst das Antiemetikum und circa zehn Minuten später das Schmerzmittel anwenden.2 So wird das Risiko zu erbrechen verringert und die Aufnahme anderer Medikamente verbessert.

In der Therapie von akuten Migräneattacken bei Kindern kommen oftmals Ibuprofen oder Paracetamol zum Einsatz.3 Triptane sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen.4

Was gilt es bei der Medikamentenwahl zu beachten?

Viele Medikamente gegen Migräne sind rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen. Betroffenen wird jedoch empfohlen, sich von ihrem Arzt beraten zu lassen, um die für sie am besten geeignete Therapie herauszufinden.

Außerdem gibt es bestimmte Voraussetzungen, unter denen die Medikamente nicht verabreicht werden dürfen: Bestehen zum Beispiel Vorerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit oder andere Gefäßkrankheiten, sind Triptane tabu.

Was hilft gegen Migräne? Auf ein individuelles Therapiekonzept setzen!

Es gibt nicht das einzig wahre Migräne-Medikament, das bei allen Patienten gleich gut wirkt. Stattdessen kommt einer individuell angepassten Therapie große Bedeutung zu – schließlich unterscheiden sich die Betroffenen hinsichtlich

  • des Alters,
  • des Geschlechts,
  • der Lebenssituation sowie
  • der möglichen Vorerkrankungen.

Und selbst wenn die Rahmenbedingungen gleich wären, könnten nicht bei jedem Patienten mit Migräne die gleichen Medikamente in derselben Dosierung verabreicht werden. Jeder Körper nimmt die Wirkstoffe von Medikamenten in einer anderen Geschwindigkeit und unterschiedlich gut auf. Hinzu kommt: Während das Medikament von einem Migränepatienten sehr gut vertragen wird, kann es beim anderen zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen.

Außerdem unterscheidet die Klassifikation der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) zwei Migränetypen:

Schon allein aus diesem Grund bedarf es einer individuell angepassten Behandlung. Zudem bestehen Sonderformen der Migräne, wie die hemiplegische (vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite) oder die basiläre Migräne (Kopfschmerzen plus Symptome wie undeutliche Sprache und Verwirrtheit). Auch deren Behandlung sollte immer in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Wie finde ich die richtige Dosis der Migräne-Medikamente?

Was Ihnen in jedem Fall bei der medikamentösen Therapie einer Migräne gut tun wird, ist, eine wirksame und verträgliche Dosis zu finden. Experten empfehlen, sich im Rahmen von drei bis vier Attacken an die optimale Dosis von Schmerzmitteln und Triptanen heranzutasten.5 Ist sie gefunden, kann sie zu Beginn der nächsten Attacke verwendet werden. Wenig empfehlenswert ist es dagegen, nur Teilmengen einzunehmen, in der Hoffnung, auf diese Weise Medikamente „einzusparen“. Zudem ist es ratsam, Akutmedikamente möglichst früh in der Attacke einzunehmen.

Was zunächst verwirrend klingt, darf von Migräne-Betroffenen nicht unterschätzt werden: Wer häufig Medikamente zur Behandlung der Migräneattacken einnimmt, kann, durch die Schmerzmittel verursacht, noch häufiger von Kopfschmerzen betroffen sein. Diese medikamenteninduzierten Kopfschmerzen entstehen in der Regel durch einen Schmerzmittelübergebrauch. Ärzte sprechen unter anderem dann von einem Medikamentenübergebrauch, wenn ein Schmerzmittel an 15 oder mehr Tagen im Monat eingenommen wird.6 Aber auch die Anwendung von Triptranen kann zu diesem Phänomen führen, wenn eine Einnahme an zehn oder mehr Tagen im Monat erfolgt.7 Aus diesem Grund gilt es, die angegebene Anwendungsdauer keinesfalls zu überschreiten und die Einnahme der Medikamente bei Migräne mit Ihrem behandelnden Arzt abzusprechen.

Was Sie noch bei einer Migräne tun können

Bundesweit werden jährlich mehr als drei Milliarden Einzeldosierungen von Schmerzmitteln geschluckt, schätzungsweise zu 85 Prozent aufgrund von Kopfschmerzen – eine beträchtliche Zahl.8 Dass ebenso nicht-medikamentöse Therapien lindernd wirken können, zeigt die Leitlinie „Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne“ der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.9

Der behandelnde Arzt kann Sie neben dem Einsatz von Medikamenten gegen Migräne, auch auf Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Biofeedback und Autogenes Training hinweisen, um den Migräneattacken vorzubeugen und im besten Fall ihre Häufigkeit und Stärke zu reduzieren.

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1 Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Therapie der Migräne (Leitlinie). Abgerufen unter: http://dmkg.de/files/dmkg.de/patienten/Empfehlungen/Leitlinie-Migr%C3%A4nee-Therapie_2015-2017.pdf (Stand: 01.10.2019).

2 Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Abgerufen unter: http://www.dmkg.de/patienten/medikamente/medikamente-gegen-migraene.html (Stand: 01.10.2019).

3 Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Therapie der Migräne (Leitlinie). Abgerufen unter: http://dmkg.de/files/dmkg.de/patienten/Empfehlungen/Leitlinie-Migr%C3%A4nee-Therapie_2015-2017.pdf (Stand: 01.10.2019).

4 Ebd., S. 11.

5 Göbel, Hartmut: Migräne: Diagnostik, Therapie, Prävention; 2012, Springer, Berlin [u.a.], S. 209.

6 Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinie Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln; Abgerufen unter: https://www.dgn.org/leitlinien/2286-ll-57-2012-kopfschmerz-bei-uebergebrauch-von-schmerz-und-migraenemitteln (Stand: 17.10.2017).

7 Ebd.

8 Ebd., S. 3.

9 Kropp Petal: Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen: Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Nervenheilkunde. 2016; 7-8: 502-15.